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Ungeteilte Aufmerksamkeit

Unser Leben ist im Laufe der Zeit immer vielschichtiger geworden. Waren die Menschen der Urzeit hauptsächlich damit beschäftigt ihr Überleben durch Beschaffung von Nahrung zu sichern – sind wir heute einer Flut von Informationen und Angeboten ausgeliefert.

Jagen oder Sammeln – das waren die Aufgaben unserer Vorfahren. Die Männer konzentrierten sich auf das Jagen, ihr Ziel war es möglichst viel Wild zu erlegen. Die Frauen sammelten die Früchte des Waldes und trugen damit zum Überleben bei. Sie konzentrierten ihre Aufmerksamkeit auf das Aussehen und dem Geschmack der Früchte, auch die Beobachtung zu welcher Zeit sie geerntet werden können – denn das waren wichtige Informationen für die Genießbarkeit. Beide vervollkommneten diese Tätigkeiten im Laufe der Zeit, wurden effizienter, je besser sie ihren Job ausübten.  Dies gelang denjenigen am besten, die eine gute Beobachtungsgabe hatten und in der Lage waren ihre Aufmerksamkeit auf das Wesentliche zum Erreichen ihres Ziels zu wenden. Die Lernfähigsten und Geschicklichsten hatten dabei die besten Erfolge.

Heute brauchen wir nicht mehr zu jagen und zu sammeln. Unsere Fähigkeiten dafür sind verkümmert. Unsere Beobachtungsgabe beschränkt sich auf die Dinge, die uns interessant erscheinen. Multitasking scheint die Lösung zu sein, möglichst viel zur gleichen Zeit zu erledigen. Das ist ein Trugschluss, denn letztendlich führt Multitasking zu Oberflächlichkeit und Halbheiten. Wir machen vieles nebeneinander und nebenher, ver-teilen unsere Aufmerksamkeit und bekommen dadurch auch nur ein bruchstückhaftes Ergebnis. Der ständige Wechsel zwischen all den Aufgaben erfordert zusätzliche Zeit und Konzentration. Kaum einer widmet dem anderen heute seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Handy und Blackberry fordern mit ihren eingehenden SMS und Mails immer wieder unsere geteilte Aufmerksamkeit. Dabei ist es viel effizienter, eine Aufgabe mit voller, ungeteilter Aufmerksamkeit zu erledigen.

Mir ist dies in einem Meeting bewusst geworden: Zuhören, zum besseren Verständnis nachfragen, eigenen Meinung einbringen, gemeinsame Interessen aufzeigen, Lösungen finden. Durch meine un-geteilte Aufmerksamkeit konnte ich die anderen besser verstehen, mit meinen Worten das widergeben, was bei mir angekommen ist und wir kamen so viel schneller auf den Punkt als früher.

Der alte Anspruch von mir, die eigene Meinung unbedingt durchzusetzen, hinderte mich damals daran, die volle Aufmerksamkeit auf den anderen zu lenken, ich war viel zu sehr damit beschäftigt, wie ich die Argumente des anderen widerlegen kann, anstelle die Möglichkeiten , die sich daraus ergaben, zu sehen . Ich hatte mich früher vor allem auf meine Meinung beschränkt. Schranken im Kopf verhindern neue Wege, begrenzen uns im Finden von Alternativen.

Ungeteilte Aufmerksamkeit ist ein Schlüssel für mehr Inspiration zum gemeinsamen Finden von Ideen, Lösungen und Wege dorthin – ohne Schranken. Meetings in denen mehr Teilnehmer in der Lage sind ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken, führen schneller zu einem für alle zufriedenstellendem Ergebnis.

Es geht nicht darum sich immer einig zu sein, sondern auch darum, die Meinung des anderen einfach zu akzeptieren und das Verbindende zu finden. Dies gilt nicht nur auf der Arbeit, sondern vor allem auch im privaten Bereich, der Familie und im Freundeskreis. Ungeteilte Aufmerksamkeit signalisiert Interesse und Respekt gegenüber dem anderen. Das ermöglicht diesem ebenfalls verständnisvoll mit uns umzugehen. Ein Gewinn für beide Seiten, der allen Beteiligten gut tut.

Für mich hat diese Erfahrung mit der un-geteilten Aufmerksamkeit einen Schalter im Kopf umgelegt und der “Groschen ist gefallen” bzw. der “Cent ist ins Rollen gekommen”.

Ein schönes Gefühl!

Liebe Grüße

Evi

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