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Sicht-BAR: Fotografieren

 

14-29 Sicht-BAR Fotografie

Eines meiner Hobbies ist das Fotografieren.

Früher, als wir noch den Film in die Kamera eingelegt haben, mussten wir uns genau überlegen, was wir fotografieren, die Lichtverhältnisse prüfen, die Kamera genau einstellen und das Motiv richtig positionieren. 

Das erforderte einen guten Blick, Zeit und Geduld. Es nahm der Situation, die wir gern im Bild festhalten wollten die Spontanität. 36 Bilder pro Film – und diesen gab es in unteschiedlichen Empfindlichkeiten – für Sonne oder für trübe Tage – da musste man wirklich genau überlegen bevor man fotografierte.

Mit der Erfindung der Digitalkameras änderte sich das  – anstelle des Films, den wir einlegen mussten, kam die Speicherkarte und ermöglichte uns ein Mehrfaches an Bildern – je nach Qualität – konnten wir nun Hunderte Bilder schießen. Misslungene Bilder wurden gleich gelöscht. Das ermöglichte nun Schnappschüsse aller Art.

Damit begann eine ganz neue Zeit des Fotografierens. Einerseits ermöglichte die neue Digitaltechnik eine einfache Einstellung der Kamera. Mit Fotosymboblen “Blume” , “Gesicht” , “Berg”, “Sportler” – können wir unsere Kamera auf unser Motiv voreinstellen – je nachdem, was wir fotografieren – ein Detail , ein Porträt, eine Landschaft oder ein bewegtes Motiv. 

Alles hat so seine Vorzüge. Die Voreinstellungen erlauben uns ohne  Überlegen schnell die Momente einzufangen, die wir im Bild festhalten wollen. Andereseits nimmt uns dieser Komfort, den die Kamera hat, uns die Auseinandersetzung mit dem Motiv, mit der Umwelt, den Lichtverhältnissen ab. Damit nehmen wir uns nicht mehr die Zeit, etwas genau zu betrachten, unsere Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was uns an dem Motiv gefällt, was uns fesselt.

Wir gehen davon aus, dass das, was unser Auge in dem Moment sieht und unser Gehirn wahrnimmt auch so auf dem Bild erscheint. Oft sind wir dann enttäuscht, dass das Bild nicht das zeigt, was ich in dem Moment gesehen habe. Der Sonnenuntergang sieht auf dem Bild nicht mehr so warm und überwältigend aus. Die Blume nicht mehr so leuchtend gelb und die Tiefe & Weite der Landschaft wirkt platt und “geradezu”. Mir geht es jedenfalls so. 

Zum “Knipsen” sind diese Kameras ideal – zum Erfassen spontaner Situationen, von Momenten, die einfach “festgehalten” werden wollen und beim Betrachten dieser Bilder uns die Erinnerung an diese Zeit wachrufen.

Vor allem das Großwerden der Kinder – vom ersten Schrei bis zum ersten Schritt – eine Zeit die so schnell vergeht. Oder das Festhalten von Veränderungen – z. B.  beim Hausbau – zeigt uns später, was aus solchen Projekten geworden ist.

Wir vergessen schnell, wie es vorher ausgesehen hat, unsere Erinnerung verdrängt die alten Bilder durch neue Eindrücke. So ist es immer wieder interessant gerade solche Bilder anzuschauen, die eher der Dokumentation dienen. Bei solchen Fotos ist es nicht unbedingt erforderlich einen “künstlerischen Wert” in dem Bild zu verewigen.

Anders ist es bei Urlaubsbildern – vor allem Landschaften, die uns fremd sind, uns beeindrucken – diese wollen wir so “einfangen”, wie sie uns berühren, d. h. hier wollen wir unsere Gefühle mit in das Bild einfließen lassen, unsere Stimmungen.

Dafür wäre es gut, wenn wir uns an die alten Tugenden der Analogfotagrafie wieder entdecken – unseren Blick schärfen für das Motiv, die Stimmung, die Farbtiefe, den Kontrasten, dem Detail und vor allem die Lichtverhältnisse beachten. Licht ist das A und O für das Wiedergeben von Stimmungen, die uns berühren. Gerade am Morgen und Abend, wenn das Licht weich ist, in einem gewissen Dunst liegt und durch die langen Schatten eine Tiefe und Struktur zaubert. 

Interessant ist auch das “Einfrieren” von schnellen Bewegungen z. B. beim Sport oder bei der Tierfotografie. Es sieht so lustig aus, wenn das fliegende Haar eines Kindes auf dem Bild zu Berge steht oder Tropfen in der Luft hängen bleiben, ein Vogel in der Luft steht – Momentaufnahmen, die Staunen in uns hervorrufen können.

Solche Digitalkameras ermöglichen auch bessere Aufnahmen im Dunkeln, da die Belichtungswerte so eingestellt, der automatische Blitz entsprechend zugeschaltet wird, dass man zumindest auf dem Foto alles erkennen kann.

Aber mit der Zeit reicht das einem passionieren Fotografen nicht mehr, einfach nur zu “knipsen”, Motive nur festzuhalten. Ein richtiger Fotograf möchte die Stimmungen mit ins Bild bringen, Gefühle vermitteln.

So ging es mir auch – irgendwann reichte mir die kleine Digitalkamera nicht mehr aus und ich schaffte mir eine Digitale Spiegelreflexkamera (DSR) an – eine Sony Alpha 33 – das war vor gut drei  Jahren.

Das war für mich wie der Umstieg vom Fahrrad auf das Auto – so viele Knöpfe und Einstellmöglichkeiten überforderten mich am Anfang und ich war froh, dass es die “Automatik-Einstellung” gab und die Kamera für mich diese Aufgabe übernahm.

Ebenso, wie man einen Führerschein für’s Auto braucht, ist es sinnvoll auch einen “Führerschein” für eine DSR-Kamera zu machen. Also meldete ich mich bei der VHS zum Fotokurs an. 

Auch da war erst mal Verwirrung angesagt – all die Fachbegriffe und Erklärungen blieben einfach nicht in meinem Schädel als etwas Hilfreiches, sondern eher Bedrohliches. Mit Anleitung der Referentin klappte es dann ganz gut – aber leider ist es wie mit allem, was man nicht beständig anwendet, wird wieder vergessen.

Inzwischen habe ich mich noch einmal für einen Fotokurs angemeldet. 

Mal sehen, was daraus wird. Ich werde euch berichten – einfach, damit ich es auch selbst besser verarbeite und verinnerliche.

Liebe Grüße

Evi

 

 

 

 

 

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