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Sicht-BAR: Fotografieren 8

Architektur fotografieren

Das Fotografieren von Gebäuden, Häuserzeilen, Kirchen, hohen Türmen und historischen Gebäuden ist immer wieder eine Herausforderung für mich. Einerseits beeindruckt mich das gesamte Ensemble und ich möchte diesen Eindruck auf das Bild bannen. Beim Anschauen war ich dann oft enttäuscht, wenn die Gebäude zu kippen schienen, weil die Linien an den Seiten schräg verliefen. Eine monumentales Gebäude in ganzer Pracht auf das Bild zu bekommen ist mit einem normalen Objektiv nicht wirklich machbar, ohne dass es zu “Verzerrung” der Linien kommt – zu “stürzenden Linien” – wie es in der Fachsprache heißt.

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Hier ist es das Annaberger Rathaus, was “kippt”.

Das kommt dadurch, dass wir durch Kippen der Kamera versuchen alles drauf zu bekommen.  Sobald wir die Kamera nicht mehr parallel zum Gebäude halten ist auch der Sensor in der Kamera nicht mehr parallel zum Objekt, welches wir fotografieren. Dadurch werden die geraden Linien automatisch schief – weil wir ja auch die Kamera “schief” halten – also winkelig zu den Hauswänden, wodurch diese dann zu kippen scheinen.

Entweder ich benutze ein Weitwinkelobjektiv – was ich im Moment noch nicht habe – um so viel wie möglich auf das Bild zu bekommen, oder ich beziehe das “Schräge” bewusst in meine Bildgestaltung ein und mache ein richtig “schiefes” Bild und lasse das Gebäude bewusst schräg in den Himmel ragen, dann stören auch die verkürzten Linien nicht mehr und geben dem Bild eine besondere Note.

Ein anderer Trick ist es möglichst weit weg vom “Objekt der Begierde” zu gehen.

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 Hier habe ich die Spitze des Annaberger Rathauses durch eine Häuserzeile fotografiert

Verwenden wir dann noch ein ausgefahrenes Zoom-Objektiv bringt uns das den Effekt, dass man durch das Zoomen die Tiefe nimmt, alles etwas “platt” erscheint, aber  alles “gerade” auf das Bild bringt und so stürzende Linien vermeidet.

Einen ganz besonderen Reiz hat das Fotografieren von Gebäudedetails – was mein persönlicher Favorit ist. Nimmt man einzelne Details aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln auf, so haben sie einen ganz besonderen Scharm. Da gilt die Fotografenregel: “wenn das Bild nicht gut ist, dann warst du nicht nah genug dran”.

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An einer Hauswand habe ich dieses Detail entdeckt.

Es ist immer wieder erstaunlich, dass die Menschen die das Gebäude in und auswendig kennen, es oft nicht anhand  der Detailfotos erkennen, da sie diese mit der Zeit nicht mehr wahrnehmen. Durch Detailaufnahmen lernt man dann so ein Gebäude wieder ganz neu kennen.

Wichtig bei Architekturaufnahmen sind auch die Lichtverhältnisse. Es bringt nicht viel, wenn ein Gebäude im Schatten oder grellem Sonnenlicht fotografiert wird, denn damit kommt keine Tiefe in das Bild, wodurch eine besonders gute Wirkung des Motivs erzeugt wird. Tiefe wird durch die kleinen Schatten erzeugt, die die architektonischen Besonderheiten des Gebäudes hervortreten lassen. Da gilt die Fotografenregel: “von 11 bis 2 hat der Fotograf frei” – da in dieser Zeit die Sonne einfach zu hoch steht und das Gebäude voll ausleuchtet oder die Schatten von oben kommen, also keine seitlichen Schatten erzeugt, was nur durch eine tiefstehende Sonne möglich ist – also entweder morgens oder spätnachmittags.

Dabei ist für Architekturaufnahmen klares Licht vorteilhaft, was wir  morgens haben, wenn die Staubbildung und Luftverschmutzung noch gering sind. Dabei kann auch ein Polarisationsfilter gute Dienste leisten, der Spiegelungen weg nimmt – was einerseits für einen blauen Himmel sorgt und anderseits ungewollte Spiegelungen in Fensterscheiben verschwinden lässt.

Spiegelungen in Fensterscheiben können wir auch bewusst nutzen, z. B. indem wir sie “auf’s Korn nehmen”.

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In der Schaufensterscheibe spiegelte sich das gegenüberliegende Gebäude sehr schön.

Wenn wir ein Gebäude im richtigen Licht aufnehmen wollen, dann hilft uns der Dämmerungsrechner - der uns sowohl für Zeiten und die Richtung des Sonnenauf- und unterganges aufzeigt , als auch die Auf-und Untergangszeiten des Mondes. Wir können uns dannn jedes beliebige Gebäude aussuchen und schauen, welche Jahres- und Tageszeit uns das besondere Licht bringt. Ansonsten haben wir entweder zu viel Schatten, zu viel Licht oder halb Licht/halb Schatten und haben das Gebäude eben nicht im guten Licht erscheinen lassen.

So gibt es zahlreiche Möglichkeiten auch bei verschiedenen Licht-Verhältnissen gute Fotos von Gebäuden zu machen – wir müssen nur den gewissen Blick dafür haben.

Beim Durchsehen alter Fotos sind mir all die “Fotografischen Sünden” aufgefallen. Für zukünftige Architkturfotografie werde ich das hoffentlich im Hinterkopf behalten und möglichst all das berücksichtigen, was ich im Fotokurs gelernt habe.

Viel Spaß beim Fotografieren wünscht

Evi

 

 PS: Alle Bilder habe ich im Dezember letzten Jahres in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge gemacht, wo wir den Weihnachtsmarkt besucht haben. Mehr davon wird es in meinem diesjährigen Adventskalender in 20 Tagen geben.

 

 

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