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Kaminfeuer

Winterzeit ist auch die Zeit, wo wir es uns so richtig urgemütlich machen können in unseren Stuben.
Heute ist es nebelig und kalt. Der Winter hat der Natur ein Rauhreifkleid angezogen, alles ist in zartem Weiß gehüllt.
Genau die richtige Zeit für ein Kaminfeuer. Fix sind ein paar dünne Scheite und darüber ein halbrundes

Birkenscheit aufgeschlichtet und angezündet. Schnell entzünden sich die dünnen Scheite und die kleinen Flammen tanzen lustig umher. Als ob kleine Kobolte endlich darauf gewartet haben dem Holzscheit zu entspringen. Diese Flammenkobolte tanzen lustig um das Birkenscheit und versuchen es zum Leben zu erwecken oder besser gesagt die Kobolte, die darin wohnen.
Zaghaft lässt sich das Birkenscheit ermuntern seine eingeschlossenen Gäste mit den kleinen Flammenkobolten bekannt zu machen.
Immer noch habe ich die Luftzufuhr auf Maximum, ermuntere die kleinen Feuerzwerge alles zu geben und ihre Artgenossen aus dem großen Scheit zu wecken.
Es funktioniert, anfangs noch zaghaft und dann kriechen immer mehr Flammen aus dem Birkenscheit und züngeln aus der Oberfläche.
Inzwischen sind die Flammenkobolte aus den Anmachscheiten erschöpft und die dünnen Scheite zerfallen, bilden ein rotglühendes Glutbett und die aufsteigende Hitze feuert das große Birkenscheit weiter an. Große Flammen tanzen im Kamin, geben ihren Feuerschein urch die Kaminscheibe und die Hitze an die Schamottsteine ab. Immer mehr Wärme strahlt in das Zimmer. Die Luftzufuhr habe ich gedrosselt und der Tanz der Flammen ist nicht mehr so wild, sondern umspielt liebevoll das immer kleiner werdende Holzscheit. Risse bilden sich und geben mehr Flammenkobolten die Möglichkeit sich aus dem Scheit zu befreien.


Kaminfeuer, Lagerfeuer strahlen solche innere Wärme und Frieden aus, dass ich mich diesem Schauspiel der Flammen nicht entziehen kann. Immer wieder formt das Feuer neue Flammenchoreografieen, tanzt der Flammenreigen mal am unteren oder oberen Ende, vereint sich dann und umschmeichelt mal liebevoll, mal leidenschaftlich den immer kleiner werdenden Holzscheit, bis er schließlich auseinander bricht, ermattet in das Glutbett sinkt und zarte Flammen ihn umhüllen.
Dieses Feuer hat so etwas Fried- und Freudvolles, nicht gleich zu setzen mit der Zerstlörung und Unkontrollierbarkeit eines Waldbrandes.
Diese Holzscheite im Kamin geben ihre Energie voller Hingabe und Leidenschaft frei, geben Licht und Wärme, inszenieren ein Schauspiel, verzehren sich dabei – bis sie als glimmendes Glutbett nur noch einen mystischen rötlichen Schein abgeben, das im Luftzug aufglimmt, leicht vibriert. Wie ermattet liegt das in viele Stücke zerfallene Scheit und es scheint mit dem langsam schwächer werdenden Glimmen seine Bestimmung als Energiespender für Wärme und Licht dem Ende zu zugehen.
Eine weißgraue Ascheschicht legt sich allmählich über die rötliche Glut. Manches Mal streift der Luftzug, der das Kaminfeuer am Glühen halt die Ascheschicht ab. Ein kurzes kleines Züngeln, das einem letzten Atemzug gleicht, lässt die allerletzten Flammenkobolte frei. Ruhe breitet sich aus, friedliche Erschöpfung nach einem leidenschaftlichen Tanz der Flammen und lässt auch mich immer friedvoller werden.


Der Holzscheit hat ein würdiges Ende gefunden und seine freigesetzte Energie hat den ganzen Raum in eine wohlige Wärme gehüllt, die auch weiter aus dem Kamin strahlt. Die Wärmeenergie hat sich in den Schamottsteinen und Specksteinen der Kaminverkleidung gespeichert und strahlt nun für die nächsten Stunden in das Zimmer ab.
Es ist so heiß, dass ich die Steine nur kurz berühren kann.
Es ist erstaunlich, wieviel Kraft und Energie in so einem Holzscheit steckt. Es ist fast so, als ob er all die Sonnenstrahlen, die er als Baum empfangen hat nun abgibt, die Wärme, das Licht, die Behaglichkeit. Genau so fühle ich mich behaglich.
Auch wenn dieser Holzscheit sich dem Tod im Feuer hingegeben hat, so hat er es mit Freude getan, mit Würde und voller Leidenschaft und Hingabe. Es hat etwas Versöhnliches, Verbindendes, wenn ich hier allein vor dem Kamin sitze und die wohlige Behaglichkeit genieße. So schließt sich der Kreislauf und ich erinnere mich an die Birke, als sie im Garten stand und mit den Jahren immer mehr von Wind und Wetter zerzaust wurde, Äste verlor, weil sie abgestorben waren. Ihre Kraft schien nicht mehr für alle Äste auszureichen. Immer mehr mehrten sich die Anzeichen, dass ihr Ende gekommen war.
Das endgültige Urteil fällte ein Baumkundiger der Verwaltung, der die Genehmigung zum Fällen erteilte.
Von einst 7 stattlichen Birken mussten 4 gefällt werden.
Ihr Holz liegt nun in Scheite gespalten und trocken gelagert hinterm Schuppen.
Die zwei vergangenen Sommer haben ihm die Feuchtigkeit entzogen, so dass der Stapel etwas in sich zusammmen gefallen ist. Erstaunlich, wenn man es so anschaulich mit erlebt.
Erst wenn die Scheite trocken genug sind, sind sie auch bereit das letzte Stück ihres Weges zu gehen, ihrer Bestimmung als Kaminholz zu folgen. So viel Zeit muss man dem Holz lassen, sonst bringt es nur Verdruss durch Rauch und Qualm.


Alles hat seine Zeit und wenn die richtige Zeit gekommen ist, dann ist es auch ein guter Augenblick für alle, die dabei sind – für den Scheit und für mich.
Mein Wunsch ist es, dass ich ein gutes Gespür entwickele, um zu erkennen, wann der richtige Zeitpunkt für den richtigen Moment da ist, wann es Zeit ist voller Leidenschaft un Hingabe all das zu leben, was in mir ist, aber auch die Wärme und das Licht zu empfangen, die Energie zu tanken, die mir hilft meinen Wege weiter zu gehen.
Dieses Gefühl alles zu seiner Zeit zu tun – zu geben und zu nehmen- das vermittelt mir Zuversicht und unendliches Vertrauen, dass alles, was mich noch erwartet, gut ist.
Das ist ein wunderbares Gefühl, voller Liebe und Dankbarkeit.
Danke, dass ich das so empfinden kann.

Liebevolle Grüße
Evi

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