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Goldener Herbst

Die Natur lehrt mich immer wieder: wenn ich eins mit ihr bin, kann ich ich selbst sein: gelassen in mir ruhen, ohne ein Ziel zu verfolgen, einfach nur sein, mich von den Gerüchen, Geräuschen und Bilder der Natur verzaubern lassen.
Diese Eindrücke, die all meine Sinne berühren – voller Unschuld, als wäre es das erste Mal – lassen mich vieles neu erleben.
Gerade dieser Herbst ist durch meine ungeteilte Aufmerksamkeit so reich an Bildern und Eindrücken. Das Färben der Blätter an Bäumen und Sträuchern war eine solche gelungene Komposition, wie es nur die Natur vermag.
Besonders verschwenderisch war sie in diesem Jahr mit der Farbe Gelb in allen Schattierungen – oder war meine Aufmerksamkeit besonders darauf gerichtet ? Es war ein richtig „Goldener Herbst“. Die Sonne hat die „goldenen“ Blätterkleider noch richtig leuchten lassen und beim Untergehen ihnen einen rötlich-goldenen Schimmer verpasst. Ich konnte mich gar nicht satt daran sehen.
Die Hortensienblüten, die im Sommer noch ihr kräftiges Königsblau stolz zur Schau getragen haben, haben sich jetzt rötlich-violett gefärbt. Durch die grünen Schattierungen wirkt sie jetzt fast unscheinbar. Bald wird der Frost sie braun färben und so werden sie Schnee und Eis trotzen.
Die Birkenbäume, die ich von meinem Fenster aus sehe, verlieren bei jedem Windstoß immer mehr Blätter. Es ist ihnen egal, sie sind immer in Bewegung, lassen sich vom Wind ihre Zweige zausen, wiegen sich genüsslich im Windrausch.
Die Ahornbäume haben schon alle Blätter verloren. Stolz präsentieren sie ihre Früchte, die vereinzelt zur Erde segeln, wie kleine Hubschrauber. Als Kind haben wir sie uns – noch grün – auf die Nase geklebt.
Kastanien und Eicheln haben sich im Laubteppich versteckt und hoffen darauf im Frühjahr einen guten Platz zu haben, wo sie ihre Wurzeln in die Erde verankern können. Bis dahin liegen sie als Futter für Tiere bereit.
Mit jedem Frost verabschiedet sich die Natur immer ein bisschen mehr von uns. Bald wird das dunkle Grün der Nadelbäume wieder in den Vordergrund treten und die Natur wird sich uns wieder in Grün-Weiß präsentieren.
Dieses scheinbare Sterben der Natur gibt mir Gelassenheit und Ruhe, denn genau das ist es, was die Natur mich lehrt: Ruhe und Rückzug, neue Kraft schöpfen, um im Frühling wieder zu erwachen – voller Farbenpracht  und Vielfalt das Wunder Natur von Neuem erleben.
Wenn wir unser Leben so sehen können, im Einklang mit der Natur leben können, mit Höhen und Tiefen so gelassen umgehen können wie die Natur – dann wird sich alles zum Guten fügen.
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Frühling, Sommer, Herbst, Winter – Erwachen, Reifen, Lösen, Ruhen
– ein immer wiederkehrender Kreislauf der Natur,
die sich stetig weiterentwickelt und doch kraftvoll in sich ruht.
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Wir sind auch Teil der Natur und diesem Rhythmus unterworfen. Wiegen wir uns lieber in diesem Rhythmus, anstelle dagegen anzukämpfen, gewähren wir auch unserem Leben diesen immer wiederkehrenden Kreislauf des Erwachens, Reifens, Lösens und Ruhens.
Im Einklang mit diesem Rhythmus können wir uns entwickeln, unseren Weg voller Leichtigkeit und liebevoller Hingabe gehen.
Liebevolle Grüße
Evi

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