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Erleb(nis)-BAR: Blaubeeren

14-24 Erlebnis-BAR Blaubeeren

In diesem Sommer habe ich ein Teil der Erinnerungen meiner Kindheit geschmeckt – Waldheidelbeeren. Eigentlich sind es für mich „Schwarzbeeren“, denn so haben wir sie genannt, so heißen sie auch heute noch im Erzgebirge, wo ich meine Kindheit verbrachte.

Später als wir in das Umland von Berlin gezogen sind, waren andere Dinge interessanter, als in den Sommerferien Beeren pflücken.

Und so verging die Zeit wie im Flug – Studium – Beruf – Familie – nahmen mich in Anspruch und an „Schwarzbeeren pflücken“ habe ich nicht mehr gedacht, vielleicht, weil ich es nur mit meinen Sommerferien im Erzgebirge verknüpfte.

Nun bin ich im verdienten Ruhestand und erlebe den ersten Sommer ohne Arbeitsdruck , ohne Zeitdruck –  ein ganz neues Gefühl.

Ich empfinde diese neu gewonnene Zeit für mich ähnlich, wie die lange Ferienzeit in meiner Kindheit. Der Leistungsdruck ist von mir abgefallen – es dauerte eine Zeit, bis ich die scheinbare Leere nicht mehr mit Arbeit füllen wollte und die neu gewonnene freie Zeit auch als Freizeit für mich annehmen und genießen konnte.

Ich fahre gern mit dem Rad. Ich spüre den Wind, rieche den Atem der Natur und fühle mich beweglich und frei. Ich radele Wald- und Wiesenwege entlang und freue mich Teil der Natur zu sein.

So erspähte ich schon im Frühling die grünen Heidelbeerbüsche in einem nahe gelegenen Wald und nach den ersten heißen Tagen des Juni entdeckte ich dann die kleinen blauen Beeren daran– noch nicht ganz reif aber es saßen ausreichend an den kleinen Zweigen. Eine Woche später war in meinem Fahrradkörbchen ein kleines Plastikeimerchen. Darin habe ich dann die Blaubeeren gesammelt. Es erschien mir wie eine Ewigkeit, bis das Eimerchen voll war – aber vorher wollte ich nicht aufgeben. Ich „robbte“ von Strauch zu Strauch und sammelte die kleinen blauen Beeren. Es war eine mühselige Arbeit, solange ich mich auf das Füllen des Eimerchens konzentrierte – als ich mich dann auf das Beerensammeln „einließ“, den Geräuschen des Waldes lauschte, den typischen Waldgeruch wahrnahm und mich so richtig eins mit der Natur fühlte, war ich so vertieft in das Pflücken jeder einzelnen Beere, dass sich mein Eimerchen schneller füllte. Die Zeit verging dann doch wie im Flug. Meine Hände waren durch das Pflücken Blau geworden – denn die überreifen Blaubeeren zerquetschten beim Abpflücken.

Zu Hause gab es dann „Schwarzbeergetzen“ , so wie ihn meine Großmutter machte: ein lockerer Eierkuchenteig mit Buttermilch, der in einer  Pfanne gebacken wurde – in den noch  flüssigen Teig wurden die „Schwarzbeeren“ gestreut und langsam fertig gebacken. Mit Zucker bestreut ist es einfach eine Köstlichkeit.  Aus dem restlichen Blaubeeren kochte ich Marmelade, die mich beim Frühstück an diese schöne Zeit meiner Kindheit erinnert.

Liebe Grüße

Evi

 

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