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Eins nach dem Anderen

Wir wünschen usn oft mehr Gelassenheit und Ruhe, weniger Hektik und Stress. Ich bin immer wieder fasziniert, wenn ich sehe, wie gelassen ZEN-Buddhisten ihren Tätigkeiten nachgehen. Es gibt viele Zitate und Beispiele dafür, dass im ZEN die Aufmerksamkeit auf EINE Sache gelenkt ist, bis sie beendet ist. Erst dann wird sich auf die nächste Sache konzentriert.

Wir eilen mit unserer Aufmerksamkeit den Geschehnissen voraus, hängen ihnen nach.

Während des Laufens essen wir und telefonieren gleichzeitig und achten auch noch beim Überqueren der Straße auf den Verkehr. Wir glauben dadurch Zeit zu sparen, aber wir überfordern uns mit solchem Handeln, erzeugen selbst den Stress, den wir so gern loswerden wollen.

Stress entsteht, wenn wir die Kontrolle über unser Handeln zu verlieren. Je mehr Handlungen wir gleichzeitig tun, desto besser müssen wir sie koordinieren. Denn unser Gehirn kann sich nur auf EINES konzentrieren. Durch die vielen Handlungen, die wir gleichzeitig ausführen, sind wir nicht in der Lage uns auf alle Handlungen gleichzeitig zu konzentrieren. Wir wechseln unsere Konzentration und Aufmerksamkeit sekündlich, in Bruchteilen von Sekunden.

Kein Wunder, dass wir beim Essen kleckern, beim Überqueren der Straße stolpern und vergessen was wir dabei telefonisch vereinbart haben. Unser Gehirn ist in der Lage aus Bruchteilen ein Ganzes zu erschaffen, deshalb funktioniert es anfangs ganz gut – also drei Dinge gleichzeitig zu tun.  Ruhen wir uns danach aus, dann hat unser Gehirn Zeit, das entsprechend  zu verarbeiten und abzuspeichern.

Gönnen wir uns diese Pausen nicht, dann bringt uns das auf Dauer Stress, Schlaflosigkeit, Nervosität und vor allem Unzufriedenheit.  Die Fehlerquote steigt, unser Gehirn kommt nicht nach, alles richtig einzuordnen, es blockiert, um abzuschalten, um sich die notwendige Ruhe selbst zu nehmen.

Spätestens jetzt sollten wir uns eine Pause gönnen, zur Ruhe kommen und abschalten. Wenn wir Pech haben, dann rattert unser Hamsterrad im Kopf weiter, unsere Gedanken treiben es unermüdlich weiter und wir sind mittendrin und kommen von allein nicht mehr raus aus dieser Tretmühle. Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir es nicht erst soweit kommen lassen, uns ein Burn out und Erschöpfung körperlich zwingen auszusteigen.

Ich habe früher immer mehrere Dinge gleichzeitig erledigt - Multitasking nennt man das und rühmt sich damit.

Multitasking ist nur der schöne Ausdruck für Stressmaschine. Jeder , der selbst noch nicht erlebet hat, wie es sich im Hamsterrad anfühlt, die Erschöpfung spürt und keinen Ausweg sieht dieses Hamsterrad anzuhalten, der wird sich mit Multitasking seiner Vielseitigkeit rühmen und Anerkennung einfordern.

Wir können etwas nur ganz verstehen, wenn wir es selbst erlebt und gefühlt haben. Jeder von uns hat andere Erfahrungen gemacht, eigene Wahrheiten erlebt. Wir können unsere Erfahrungen mit-teilen, aber fühlen können wir es nur selbst, was diese Erfahrung mit uns gemacht hat, in uns verändert hat.

Es tut mir in der Seele weh, wenn ich erlebe, wie andere Menschen die gleichen Fehler machen, wie ich und viele zuvor. Ich versuche meine Erfahrungen so weiter zu geben, dass andere die Möglichkeit haben, ihre Aufmerksamkeit auf die Fehlerquellen richten zu können. Wie sie damit umgehen, das entscheiden sie selbst.

Ich habe inzwischen schätzen gelernt, dass Aufmerksamkeit auf EINE Sache mir viel besser hilft die Aufgaben zu erledigen, die anstehen. Eines nach dem Anderen - die Worte meiner Großmutter und Mutter habe ich noch im Ohr. Vielleicht wird uns diese Weisheit wirklich erst im Alter bewusst.

“Eins nach dem Anderen”  bedeutet nichts anderes, als das, was die ZEN Buddhisten machen – Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt.

Also dann – weg mit Multitasking und die Aufmerksamkeit auf eine Sache lenken, bevor wir mit der nächsten beginnen.

Liebe Grüße

Evi

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