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Weihnachten

21. Fensterchen

Wichtelschule

Wichtelkalender Annaberg-Buchholz

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Was wäre die Adventszeit ohne Wichtel, die vielen kleinen unsichtbaren Helfer.  Gerade in der  Vorweihnachtszeit gibt es  so viel zu tun: die Stuben und Vorgärten weihnachtlich schmücken, Kekse backen, Wunschzettel der Kinder abarbeiten und den Weihnachtsmann dabei helfen die vielen Geschenke zu verpacken.

So ist das Wichteln zu einem schönen vorweihnachtlichen Brauch geworden, der vor allem innerhalb von Gruppen wie Schulklassen, Arbeitskollegen oder auch in der Familie zelebriert wird.

Das Wichteln hat keine einheitlichen Spielregelen und wird regional unterschiedlich gehandhabt. Da werden oft die Namen ausgelost und ein Betrag festgelegt, der für das Geschenk ausgegeben werden kann. Alle Päckchen kommen dann in einen Sack, werden ausgeteilt ohne dass der oder die  Beschenkte erfährt, wer ihn oder sie  da beschenkt hat.

Das ist das Wichtigste am Wichteln – keiner weiß von wem das Geschenk ist.

Eine andere Möglichkeit ist die, dass kleine Geschenke, die für jeden möglich sind, die Er und Sie gebrauchen kann, eingepackt werden und dann verteilt werden.

Um das Wichteln kurzweiliger und spannender zu machen, kann auch gewürfelt werden – wer eine 6 hat kann sich ein Päckchen aussuchen, aber noch nicht auspacken! Das geht solange, bis alle ihr Geschenk vor sich liegen haben. Mit jeder nun gewürfelten 6 kann das Geschenk ausgepackt werden – auch wieder solange, bis alle Geschenke ausgepackt sind. Und mit jeder folgenden 6 kann getauscht  werden. Das wird umso lustiger, wenn sich zwei oder drei um ein und dasselbe Geschenk bemühen. Die letzten 3 Würfelrunden werden angesagt und danach hat dann jeder sein Wichtelgeschenk.

Auch das Motto-Wichteln ist eine tolle Alternative, um Spaß zu haben.

So gibt es das Ramsch-Wichteln, wo jeder das verpackt, was zu Hause nur rumliegt und nicht benutzt wurde.

Das Greuel- oder Fies-Wichteln finde ich nicht so toll, denn da wird für den Betreffenden was rausgesucht, was er überhaupt nicht mag, worüber er sich mehr ärgert – das hat für mich mit Wichteln und Vorfreude auf Weihnachten nichts zu tun.

Ich könnte mir da eher vorstellen, dass man z. B. unter Gartenfreunden schöne Blumen- oder Gemüsesamen-Tütchen verschenkt, unter Backfreunden dann Plätzchen-Wichteln macht, bei der jeder selbstgebackene Kekse einpackt – inclusive Rezept.

Auch Bücher-Wichteln ist eine tolle Alternative.

Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Na dann, viel Spaß beim Wichteln!

 

20. Fensterchen

buchbinderei

Wichtelkalender Annaberg-Buchholz

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 Das Handwerk der Buchbinderei ist erst im späten Mittelalter vor allem in der Kirche  entstanden, denn dort entstanden die meisten Schriftstücke. Bis Ende des 15. Jahrhunderts banden die Mönche ihre Schriftstücke noch selbst und verzierten die Einbände kunstvoll. Zu dieser Zeit fand auch das Handwerk des Buchbinders Einzug in Universitäts- und Handelsstädte.

Die einzelnen gedruckten Seiten wurden mit Fäden zusammengeheftet und diese zu Büchern ‘gebunden’. Dies wurde mit der Verbreitung der Schrift durch das Drucken mit Schriftsätzen notwendig.

Johannes Gutenberg erfand Mitte des 15. Jahrhunderts die beweglichen ‘Metall-Letter’ und machte damit den Buchdruck-Prozess effizienter, so dass durch den Einsatz von Druckmaschinen und Druckerpressen das Schriftgut weitere Verbreitung fand. 

Anfang des 16. Jahrhunderts  organisierten sich  die Buchbinder in einzelenen Städten in einer eigene Zunft. In Wittenberg gründeten sie 1530 eine eigene Zunft, was vor allem durch das Wirken von Luther, seine Übersetzung der Bibel “Das neue Testament”  und der Bekanntmachung seiner 95 Thesen für die Buchbinder ein Vorteil war.

Bis zum 19. Jahrhundert blieb die Buchbinderei reine handwerkliche Tätigkeit, bis auch sie im 19. Jahrhundert von Maschinen abgelöst wurde.

Mit der zunehmenden Industriealisierung wuchs der Buchmarkt schnell und es entstanden fabrikähnliche Großbetriebe. So wurden in Leipzig um 1900 in der Großbinderei Fikentscher über 2000 Buchbinder beschäftigt , darunter auch viele Frauen.

Heute untergliedert sich der Buchbinderberuf in drei Bereiche: Buchfertigung, Druckweiterverarbeitung, Einzel- und Sonderfertigung.

Inzwischen kann man Bücher auch als E-Book lesen – es gibt die verschiedenen E-Book-Reader, auf die man 1000 und mehr Bücher speichern kann und als kleines Pad immer bei sich tragen kann. Das mag ganz praktisch sein, aber ich liebe es nach wie vor ein gedrucktes Buch in der Hand zu halten, die Seiten umzublättern, mein Lesezeichen (was immer das auch ist – von der Fahrkarte bis zu einem geschenkten Andenken) dabei zu haben und zu sehen, wie weit ich bin.

Wer gern liest hat mit der Zeit ein Problem mit der  Unterbringung der Bücher. Da gibt es nur die Alternativen “Verschenken”, Flohmarkt oder auch über Internet weiter verkaufen.

Ich habe mich auch in der Bibliothek angemeldet und finde dort auch immer wieder Bücher, die es lohnt zu lesen.

Ich kann mir eine Welt ohne Bücher gar nicht vorstellen, dazu lese ich viel zu gern.

 

19. Fensterchen

hutzenstube

Wichtelkalender Annaberg-Buchholz

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Wie wir bereits aus den andern Fensterchen erfahren haben, haben die Frauen im Erzgebirge früher viel geklöppelt und gesponnen und sich damit ein Zubrot verdient.

Vor allem in der dunkleren Jahreszeit, wo das Vieh im Stall war, die Ernte eingefahren war und es draußen nicht mehr so viel zu tun gab, wurde wieder mehr Handarbeit gemacht.

Das Erzgebirge war trotz des früheren Silberbergbaues von jeher eine arme Region, so dass sich die Frauen zum Klöppeln, Spinnen und Handarbeiten abends jeweils reihum  trafen, um Heizmaterial  und Kerzen, zu sparen. So brauchten sie die  Stube nur einmal in der Woche richtig warm heizen – nämlich dann, wenn es die Hutzenstube war.

“Hutzen gieh” – bedeutet so viel , wie ‘zusammenhocken gehen’. Heute würde man sagen: Wir treffen uns bei euch.

Man kann sich gut vorstellen, dass es an den Hutzenabenden immmer gesellig zuging: “Beim Hutznomd ward gesunge un gelacht un aa e Lork dorbei gemacht”. wie es in dem Hutzenabendlied heißt, also auch Witze und Anektdoten erzählt, denn das bedeutet “Lork”.

Abends kamen dann auch die Männer dazu und packten ihr Schnitzzeug aus und schnitzten Bergmänner oder Engel. Dabei durfte auch das “Dibbel Gaffee” – der Topf Kaffee – nicht fehlen, auch wenn es meistens nur Malzkaffee war, der aus geröstetem Getreide hergestellt wurde. Dazu gab es dann “Fettbemme” – Schmalzbrot- oder was die “Hutzenleit” (die Gastgeber) so auftischten, denn die waren auch für die Beköstigung zuständig.

Das war ganz praktisch, denn so war  man jeden Abend versorgt und hatte nur einmal die Woche den Aufwand mit dem Essen. Die Kinder wurden vorher versorgt und dann ins Bett geschickt.

Im “Hutzenomd-Lied” werden dann die einzelnen Nachbarn so beschrieben “…do kimmt dor Gust mit seiner Minn, de Blachschmidtroll, de Neibertspinn, is lange Hemm, dor Gackerhaa, dor Kalichdaaf, de Bitlichfraa” – was übersetzt so viel heißt: da kommt der Gustav mit seiner Minna, die Blechschmidt Carola, die dünne Neubert (Spinn=dünn), der Lange, der Hans mit den Hühnern, der Maurer Gustav (Kalich=Kalk).

Im Erzgebirge wurden die Namen immer einsilbig genutzt, so wird Birgit “Git” genannt, Friedburg “Fried”, Ludwig “Lud” und Hermann “Maa”. Gab es mehrere mit diesem Namen, so wurde das Wesentliche, was Den- oder Diejenige beschrieb mit in den Namen verwendet wie die dünne Frau Neubert zur “Neibertspinn” wurde, die Frau die immer gebeugt ging oder einen Buckel hatte war dann die “Bitlichfraa” (Bückling-Frau).

Mein Onkel nennt mich heute noch “Eef” anstelle Evi – aber das ist auch in Ordnung so.

Bei uns ist an jedem Samstag vor dem 4. Advent “Hutzenomd”, wo die Großfamilie zusammensitzt und erzgebirgisch spricht , wir lesen “Schnokn” (Geschichten) in Mundart vor und nebenher wird gestrickt, Nüsse geknackt oder gebastelt. 

Traditionell gibt es dazu Glühwein und Stollen. So schätzen auch unsere Kinder diese Erzgebirgische Tradition, auch wenn sie hunderte Kilometer von der Heimat entfernt stattfindet.

Morgen ist es dieses Jahr wieder soweit , da ist dann bei uns “Hutzenomd”. Ich freue mich schon.

 

18. Fensterchen

 perlenposamenten

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PERLEN & POSAMENTEN

Zum Verschönern von Kleidung wurden Perlen, Pailletten und Posamente verwendet.

Posamente – dieses Wort kommt aus dem Französischen. Es sind laut Wikipedia  Besatzartikel, die keine eigene Funktion haben, sondern nur als Schmuckelement dienen. Dazu gehören auch Klöppelspitzen, die im Erzgebirge am Klöppelsack gefertigt wurden.

Barbara Uthmann (1514-1575) – eine Tochter aus gutem Hause war auf der Suche nach einem neuen Zeitvertreib und entdeckte ihre Leidenschaft für das Spitzenklöppeln. Sie lehrte diese Kunst, die viel Fingerfertigkeit verlangt, anderen Annaberger Frauen. 

So wurden aus immer mehr Bergmannsfrauen gute Klöpplerinnen, die sich mit dem Verkauf ihrer Spitzen und Deckchen etwas dazu verdienten. Barbara Uthmann wurde Unternehmerin und handelte mit den Spitzenerzeugnissen.

Selbst die Kinder erlernten das Klöppeln sehr früh, teilweise wurde es sogar in der Schule gelehrt. Damit trugen die Jüngsten mit zum Erwerb bei und wurden anderseits zu Ordnung und Sauberkeit angehalten, denn je weißer die Spitze war, um so teurer ließ sie sich verkaufen.

Meine Schwiegermutter kann auch noch Klöppeln, sie hat es von ihrer Mutter gelernt, die bis an ihr Lebensende geklöppelt hat.

Es ist erstaunlich, wie filigran diese Klöppelarbeiten sind und wie viel Fertigkeit dazu gehört. Es ist nicht einfach diese Handarbeit zu lernen – ich kann es leider nicht, hatte aber das Glück diese Handarbeit bei der Großmutter meines Mannes zu bewundern. Ich habe noch zahlreiche geklöppelte Deckchen, die in der Weihnachtszeit aufgelegt werden.

Den Klöppelsack hat meine Schwiegermutter geerbt, die aber lieber strickt, weil Klöppeln doch sehr aufwendig ist und es viel länger dauert, aus dem “Hin- und Herwerfen” der Klöppel eine Spitze oder ein Deckchen  zu fertigen.

Ich habe meiner Großmutter noch beim Pailletten- und Perlensticken zugeschaut. Es waren Auftragsarbeiten, die sie in Heimarbeit durchgeführt hat. Diese wurden für Revue-Kostüme, Theater-Vorhänge und ähnlichem verarbeitet. Als kleines Mädchen machte es mir Freude mit  dem “Glitzerkram” zu spielen. Später habe ich mich auch selber mal daran versucht – aber ich erinnere mich daran, dass es doch sehr lange gedauert hat, bis all die Perlen und Pailletten an Ort und Stelle waren.

Heute wird das maschinell gemacht – die Herstellung von Klöppelspitzen, als auch die Perlen – und Paillettenstickerei. Als Handarbeit wäre es fast unbezahlbar. Nur die “Schneeberger Spitze” lässt sich nicht maschiniell herstellen und entsteht nach wie vor in reiner Handarbeit.

17. Fensterchen

handwirkerei

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HANDWIRKEREI

Wer Schafe hatte, hatte auch Wolle aus der in Heimarbeit Garn gesponnen und zu Socken oder Pullovern verstrickt wurde.

Anfangs gab es nur die Möglichkeit die Fasern ungefärbt zu  verspinnen. So gab es  sie nur  in Wollweiß oder Braunschwarz – je nachdem, ob es auch schwarze Schafe in der Familie gab. Schafwolle hält sehr warm, aber sie kratzt auch, deshalb wird sie gern über etwas getragen.

In Gegenden wo  Leinenen angebaut wurde, wurde daraus Flachs gewonnen  und dieser zu Garnen versponnen. Daraus konnten dann grobe Gewebe gefertigt werden.Besonders im Sommer kühlte das Leinen und nahm Schweiß gut auf. Deshalb ist es auch heute noch beliebt, auch wenn es sehr knitteranfällig ist und nicht so rasch trocknet, wie synthetische Garne.

Später wurde die Wolle auch gefärbt oder die fertig gewebten Stoffe ins Farbbad getaucht.

Mit dem Import von Baumwolle konnte auch diese zu Garne versponnen werden. Sie hat den Vorteil, dass sie nicht kratzt und gekocht werden kann, ohne dasss sie – wie die Schafwolle – “einläuft”. Damit war sie für  Unterwäsche, Tischdecken und Bettzeug ideal.

Inzwischen gibt es zahlreiche Wollsorten in allen Farben und Qualitäten was noch mehr Freude am Stricken bringt. Heute ist Stricken wieder „in“ und manches junge Mädchen lässt sich von der Mutter oder Oma das Stricken beibringen.  Es hat auch etwas Meditatives, wenn man so die „Nadeln klappern“ lässt und man empfindet Stolz über ein fertiges gestricktes Teil.

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