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Alter

Älter werden

Die Geschichte meiner Freundin Sabine “Aber sie sind doch eine Dame” hat mich angeregt über mein ‘Älterwerden’ nachzudenken.
Als Kind konnte es mir nicht schnell genug gehen älter zu werden und jeder Geburtstag wurde herbei gesehnt und mit vielen Freundinnen gefeiert.
Endlich 18 und erwachsen sein und selbst entscheiden zu können, das war mein Traum.
Dass das auch mehr Verantwortung mit sich brachte, realisierte ich erst mit der Zeit.
Nach der Ausbildung ging es dann darum selbst Geld zu verdienen, wirtschaftlich selbstständig zu werden und eine Familie zu gründen.
Damit war ich dann bis Mitte 50 beschäftigt – solange, bis die Kinder ‘aus dem Haus’ sind und wirtschaftlich auf  eigene Beinen stehen.
In diese Zeit fällt auch die berufliche Entwicklung.
Karriere oder Kinder - ist oft die Gewissensfrage, die wir uns als Frauen stellen müssen.
Um beides unter einen Hut zu bekommen, bleibt für die eigenen Bedürfnisse oft keine Zeit.
Wenn wir auf die 60 zusteuern, dann zählen wir die Jahre bis zur Rente, fühlen, dass es noch etwas anderes als Kindererziehung, Karriere und Arbeit gibt.
Wir sind noch fit genug uns unseren Träumen und Wünschen zu widmen.
Manche haben sich so an ihren Job gewöhnt, fühlen sich unentbehrlich und haben ihr eigenes Leben für die Karriere aufgegeben. Vor allem Männern fällt es schwer ihrem ‘Rentnerleben’ einen neuen Sinn zu geben. Als Oma und Opa kümmern sie sich dann wieder um die Enkelkinder.
Die einzig sorglose unbekümmerte Zeit - als Kinder und Jugendliche- haben wir wie selbstverständlich hingenommen.
Die Zeit als Erwachsener ist angefüllt mit Arbeit und dem Kümmern um die Familie.
Die Sorge um die Kinder, Enkel und pflegebedürftige Eltern lässt uns weiter in diesem Kreislauf des Kümmerns verharren.
Irgendwann einmal fragen wir uns dann, was von unserem eigenen Leben übrig geblieben ist, von unseren Träumen und Hoffnungen.
“Später, wenn ich mal Zeit habe, dann….” – so haben wir uns oft getröstet und unsere Wünsche auf Eis gelegt.
Wir werden nie die ‘richtige’ Zeit dafür haben, wenn wir uns darauf verlassen, dass wir irgendwann einmal ‘genug’ Zeit dafür haben. Wir müssen uns ‘diese’ Zeit schon selbst nehmen.
Zeit ist relativ und wir selbst entscheiden, wofür wir sie nutzen.
Spätestens nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben sollten wir ‘diese’ Zeit für uns nehmen.
Aber viel besser ist es, wenn wir uns schon heute ‘diese’ Zeit nehmen, dann, wenn wir sie zur Erfüllung unserer Wünsche brauchen.
Denn viele Wünsche lassen sich nicht verschieben, sie machen nur für andere Platz.

Seien wir entschlossen und mutig genug, um uns heute die Zeit zu nehmen, denn ‘diese’ Zeit kommt nie wieder.

Liebe Grüße

Evi

 

Aber Sie sind doch eine Dame….

Eine Geschichte über das Älterwerden:

“Heute wollte ich mir eine neue Handtasche kaufen und scherzte mit den jungen Verkäuferinnen.

Eine gab mir ein Omamodell und ich meinte, das wäre doch wirklich viel zu damenhaft für mich.

Da sagte die junge Verkäuferin: „Aber Sie sind doch eine Dame!“

Ich ?????? Nein !!!!  Ich doch nicht …..

Meine ganze Lebenslust und Einkaufsfreude wich aus meinem Körper. In Zeitlupe hab ich  in den Spiegel gesehen und dort sah ich eine dicke, unmodisch gekleidete Frau, die nicht damenhaft war, aber deren Haare am Ansatz deutlich weiß nachwuchsen und deren Brüste nicht so ganz direkt unter dem Hals zu finden waren, sondern eher eine Etage tiefer, direkt gefolgt von dem dicken Bauch.

Das war keine junge Frau. Das war etwas undefinierbares und es hat mir nicht gefallen.

Ja, aber wo war ich denn hin? Wo war der blonde Feger, dem die Männer nachgestiegen sind?

Ich hab nach Luft geschnappt…

Ich war kein junges Mädchen mehr. Ich war gealtert. So richtig gealtert mit weißen Haaren, hängenden Bäckchen und scheiß Frisur.

Aber wieso hab ich das nicht gemerkt? Klar, wusste ich, dass man irgendwann mal älter sein würde. Aber doch jetzt noch nicht !!!

Und wieso hat mich eigentlich niemand gewarnt? Vor 3 Jahren noch wurde ich immer für eine Anfang Dreißigerin gehalten. Junge Männer haben sich mir aufgedrängt und ich hab sie gern gelassen…

Und heute soll ich plötzlich eine Dame sein? Aber Hallo? Wann soll das denn passiert sein?

Zwischen dem ersten Kuss und diesem Spiegelbild lagen doch nur wenige Jahre…

Und plötzlich gingen mir Gedanken durch den Kopf.

Die meiste Zeit in meinem Leben hab ich gedacht „Ach, ich gehe heute noch nicht schwimmen, erst mal muss ich abnehmen bevor ich mich vor die Tür traue.“   oder „Ne, ich gehe heute lieber nicht tanzen, weil ich so dick bin – was sollen denn die anderen denken?“

Und plötzlich  – von einer Sekunde auf die andere -geht es nicht mehr ums Gewicht. Plötzlich ist man einfach nicht mehr jung. Und das kann man nicht mehr ändern, durch eine Diät. Nein, das ist unumkehrbar. Für immer verloren… die Jugend.

Aber wieso fühlt man sich denn innerlich immer noch wie 16 oder 26?

Was ist das für ein perfides System? In dem man selbst nicht wirklich merkt, dass man altert, oder es einfach verdrängt? Braucht man das zum Überleben? Damit man sich nicht erschießt, wenn man verwelkt?

Ich bin immer noch völlig traumatisiert. Verstört. So verstört, dass auch die italienische Cookie Eiscreme und
der leckere Sandkuchen von Tchibo mir nicht geholfen haben. Danach die schöne Reinigungsmilch von Clarins. Keine Besserung. Voller Hoffnung bin ich in eine bunten Teenie Laden gegangen. Stapelweise schöne T-Shirts. Bunt und ein Revival meiner Teenie Zeit, der 80er Jahre. Ich wollte kaufen. Viel kaufen. Ich wollte T-Shirts mit
Zahlen drauf, in der Baywatch Farbe. Ich wollte Retrohosen und ein Stirnband….Ich wollte die Uhr zurückdrehen und vergessen.

Aber- und jetzt kam den Todesstoß – die hatten NICHTS in meiner Größe. Nichts. Bedröppelt bin ich nach Hause geschlichen und hab geweint.

Aber was hilft denn jetzt gegen älter werden? Was hilft gegen das Älterwerden im äußeren?

Jung bleiben im Inneren? Aber dann wird die Diskrepanz doch immer größer.

Überwindet man das? So wie man Liebeskummer überwindet? Braucht das Innere einfach mehr Zeit? Entwickelt sich etwas wunderschönes in dieser verwelkenden Hülle? Können wir unsere Jugend bewahren in unseren Herzen?

Ich weiß es noch nicht. Ich trauere noch…. Eins weiß ich aber heute schon. Das nächste mal will ich unbedingt tanzen gehen.

Und es gibt ja schließlich Ü40 Parties ….”

Diese Geschichte habe ich von meiner Freundin Sabine zugeschickt bekommen, die mit uns ihre Gedanken vom Älterwerden teilt.

Ich wünsche ihr ganz viel Lebensfreude und mehr, damit sie diese Zeit auch genießen und nutzen lernt, denn jedes Alter hat seine ganz besonderen Seiten.

In Liebe Evi

 

In Würde altern

Ich habe heute eine Mail von Petra bekommen – einer Internetfreundin. Sie hat mir einen Link zur “Petition zur Überprüfung der Menschenwürde in Pflegeheimen” und eine eigene Geschichte mitgeschickt, in der sie eine andere Sicht der Altenpflege erlebt. Ich kenne Menschen, die sich tagtäglich um das Wohl alter und demenzkranker Menschen kümmern und sich in diesem Beruf aufopfern.
“Die Würde des Menschen ist unantastbar.” So steht es in Artikel 1 Absatz 1 des Grundgesetzes.
Was aber ist Würde und wo hört sie auf, wird sie angetastet ?
In Wikipedia steht u. a. , “dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder anderer Merkmale wie Geschlecht, Alter oder Zustand denselben Wert haben, da sie sich alle durch ein dem Menschen einzig gebebenes schützenswertes Merkmal auszeichen – die Würde.”
Aber wie “würdevoll” kann ein pflegebedürftiger Mensch in Pflegeheimen versorgt werden, wenn viel zu wenig Pflegepersonal eingestellt wird – nicht weil es keines gibt, sondern weil es sich nicht rechnet. Dabei ist der Verdienst von Pflegepersonal im unteren Bereich, obwohl sie Beträchtliches für die Gesellschaft leisten.
Die Kurzgeschichte von Petra hat mich sehr bewegt und nachdenklich gemacht:
Dankbar
Hier liege ich nun. Ein kleiner Raum. Ist es nicht egal wie groß er ist? Der Schrank dort. Alle meine Sachen sind darin. Was brauche ich noch? Sie sagen ich kann nicht aufstehen. Kann nicht herum laufen. Bin zu schwach und es ist nicht die Zeit da um mich zu halten, mich herum zu führen. Sie sagen, dass ich hier am besten aufgehoben
bin.
Damit ich nicht aus dem Bett falle haben sie die Gitter daran hoch gezogen. Alles zu meinem Schutz. Ich muß dankbar sein, dass sie sich so um mich kümmern.
Ach.. dahinten ist ein Fenster. Schade, dass ich nicht hinaus sehen kann. Es ist zu weit weg. Dabei möchte ich doch so gern die Sonne sehen. Die Bäume. Die Blumen und die Vögel. Wenn sie mich zum füttern aufsetzen versuche ich immer einen Blick zu erhaschen. Doch sie stehen an der anderen Seite und mögen es nicht wenn ich meinen Kopf weg drehe. Dann dauert es zu lange sagen sie und sie haben nicht viel Zeit. Nein ich will sie nicht verärgern. Ich muß dankbar sein, dass sie sich um mich kümmern.
Was wohl aus meiner kleinen Wohnung geworden ist? Wie haben sie gesagt? Ich kann dort nicht mehr bleiben, weil ich ganz allein lebe. Dabei war ich nicht allein. Da waren die Katzen im Hof. Die schwarze, dass war meine Lieblingskatze. Ich habe sie Morle genannt. Sie ließ sich immer von mir streicheln und da waren die Vögel. Sie
kamen in das Vogelhaus auf dem Balkon. Ja, das Finkenpaar kam jedes Jahr. Sie waren schon richtig zahm und haben herrliche Musik gemacht. Immer wenn sie ihr Lied anstimmten schloss ich meine Augen und träumte vor mich hin. Auch Schmetterlinge kamen, die sich an meinem Flieder erfreuten. Zu gern habe ich ihnen zugeschaut. Da war der blaue Himmel. Selbst wenn es mal trübe war oder geregnet hat. Ich habe es geliebt auf dem Balkon zu sitzen. Mit Decke unter der Markise war das ein wunderschönes Erlebnis. Da war die Sonne die mich morgens
mit ihren Strahlen weckte. Jedes Mal hat sie mich zum Lächeln gebracht.
Ohne Zähne ist es schwer zu lächeln. Sie haben gesagt ich brauche sie nicht mehr. Sie sind sehr nett hier. Sie haben nur nicht viel Zeit. Es sind eben so viele Alte sagen sie. Ich muß dankbar sein, dass sie sich um mich kümmern.
Obwohl sie mich ziemlich seltsam behandeln. Wie ein kleines Baby. Es muß wohl so sein. Ich kann ja nichts mehr machen. Sie nehmen mir alles ab, damit es schnell geht. Es ist ja auch besser so. Wenn sie nur ein bisschen mehr Zeit für mich hätten. Ich würde mich gern mal mit ihnen unterhalten. Ach.. sie können mich ja nicht verstehen.
Deswegen reden sie mich wahrscheinlich nicht an. Auch ihre Sprache ist so als reden sie mit einem Baby. Nein. Ich will nicht undankbar sein. Sie haben viel zu tun. Ich muß dankbar sein, dass sie sich um mich kümmern.
Wissen sie überhaupt wie ich heiße? Mit meinem Namen werde ich nur selten angesprochen. Meistens bekomme
ich irgend welche Kosenamen. Schade ich kann es ihnen nicht sagen. Ohne Zähne verstehen sie mich eh nicht.
Wissen sie, dass ich gern Schokoladenpudding esse? Nein ich glaube nicht. Woher sollten sie es wissen? Sie fragen mich ja nie. Es ist gut, dass ich hier bin. Was sollte sonst aus mir werden? Sie kümmern sich um mich. Sie halten mich sauber, geben mir zu essen. Was will ich mehr. Da ist es nicht schlimm, wenn es manchmal weh tut, wenn sie mich umdrehen. Oder ich erschrecke, weil sie nichts sagen, wenn ich hin- und hergerückt werde. Schließlich mache ich ihnen nur Arbeit. Sie sorgen für mich. Waschen mich. Legen mir eine frische Windel an. Es ist meine Schuld, wenn sie öfters total voll ist. Dann darf ich eben nicht so viel trinken.  Bei so vielen Leuten haben sie  nicht viel Zeit für den Einzelnen. Sie geben sich Mühe und ich muß dankbar sein, dass sie sich um mich kümmern.
© Petra Schneider
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Unsere Alten sind es wert, sie sind es wert, dass sie wenigstens unsere Stimme bekommen! Unsere Regierung weiß, warum sie 50.000 Unterschriften angesetzt hat, sie denkt es ist nicht zu schaffen. Mit Hilfe des Internets
können wir es schaffen! Bitte helft dabei.
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Danke!!!       Herzliche Grüße     Petra Schneider
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Vielen Dank an Dich, liebe Petra, dass Du mir Deine Geschichte und den Link  zugeschickt hast.
Ich kann mich der Bitte von Petra nur anschließen und Euch bitten, diese Petition ebenfalls zu unterstützen.
Dies ist über den Link (oben) online möglich – aber auch durch Ausdrucken einer Unterschriftenliste Petition, die dann entweder per Fax an folgende Nummer  0341 56 11 658 oder per Post an folgende Adresse geschickt werden kann: Blumenstraße 66 – D-04155 Leipzig – Germany .
Annett Kleischmantat erreicht Ihr auch über Mail: Kleischmantat@t-online.de
Wir wünschen uns alle ein langes Leben und dazu gehört auch der Wunsch und die Möglichkeit in Würde alt zu werden.
Herzliche Grüße
Evi
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