Themen

Abschied

Ein Jahr danach – Andenken an meine Mutter

16-07-abschied-von-muttiMutti im Juni 2015, 5 Monate vor ihrem Tod

Vier Wochen nach meinem Vater starb auch meine Mutter – für uns alle vollkommen überraschend.

Wir – das sind mein Bruder und seine Frau, ich und mein Mann – waren gerade für ein paar Tage in Italien, wo wir die Olivenernte miterleben wollten. Wir hatten wunderschöne erholsame Tage, schrieben unserer Mutter noch eine Karte – denn wir hatten vereinbart, dass wir uns die paar Tage nicht telefonisch melden.

Beim “Auf Wiedersehen” haben wir sie noch bei guter Gesundheit angetroffen, sie hat noch im Garten gearbeitet, ging noch spazieren – keine Anzeichen, dass sie eine Woche später nicht mehr sein würde. Sie hat sich so für uns gefreut, dass wir uns diese Reise gegönnt haben, dass wir zusammen fahren – denn das war ihr immer wichtig: ein gutes Verhältnis untereinander. Wir haben jeder noch ein gutes Taschengeld mitbekommen und sind in dem Glauben gefahren, ihr eine Woche später wieder gut erholt von unserer Reise erzählen zu können.

Wir waren total geschockt, als wir auf der Rückreise im Auto von ihrem plötzlichen Tod erfuhren. Ich habe mich immer wieder gefragt: Was ist in dieser Woche passiert? Unser ältester Bruder hatte sie in der Zeit unserer Abwesenheit betreut. Er hatte auch versucht uns telefonisch zu erreichen – aber es hat nicht geklappt. Die SMS und Sprachnachricht “ploppten” hoch, als wir die Grenze zu Deutschland überschritten hatten. Es brauchte eine Zeit, um diesen unerwartet plötzlichen Tod meiner Mutter zu verarbeiten.

Es ist immer der Verstand, der uns dann agieren lässt, der sagt: sie hatte ein erfülltes Leben, ist zu Hause im Beisein ihres ältesten Sohnes gestorben, es war vielleicht ihr unbewusster Wille nicht ohne meinem Vater weiter zu leben – wer weiß. Der Verstand erklärt alles, versucht die Normalität aufrecht zu erhalten. Das Herz ist noch in der Starre, kann es noch nicht fassen, was es bedeutet – ohne Abschied, plötzlich und unerwartet – die Verbindung zur Mutter nicht mehr zu haben. Die Traurigkeit kommt mit dem Bewusstwerden der Endgültigkeit, mit der endlosen Liebe, die dann zu fließen beginnt und die ich so gerne mit meiner Mutter noch gemeinsam gespürt hätte – all die Liebe, die wir uns in den Jahren davor nicht zu geben erlaubt haben, weil wir funktioniert haben.

Dieses zarte Band der Liebe hatte sich in dem Jahr, in dem wir ihren Mann, meinen Vater gemeinsam gepflegt und versorgt haben, entwickelt. Wir haben gemeinsam Ausflüge unternommen, sind uns als Mutter-Tochter näher gekommen. Wir hatten uns vorgenommen, nach seinem Tod  noch mehr gemeinsam zu unternehmen. Dazu ist es leider nicht gekommen.

Und doch sind noch viele Fragen offen, die ich ihr gern noch gestellt hätte und die für immer unbeantwortet bleiben.

Auch sie wollte mir noch so viel sagen – wie sie am Sterbebett unserer Nachbarin gesagt hat – und ich frage mich, warum hat sie es nicht gekonnt, als wir beide die Zeit dazu hatten. All das macht mich immer noch sehr traurig.

Vergangenes lässt sich nicht ungeschehen machen, aber wir können die Erkenntnisse daraus nutzen und es jeden Tag umsetzen und besser machen.

Das versuche ich auch. Die Kinder sind aus dem Haus, aber der Kontakt ist tiefer geworden seit dem Tod meiner Eltern, ihrer Großeltern. Wir sind näher zueinander gekommen und das ist ein großes Geschenk für uns alle. Wir sind offener in unseren Gesprächen geworden, weil jeder weiß, dass er den anderen nicht weh tun will, sondern jeder nur das Beste für den anderen möchte. Dabei respektieren wir die Entscheidungen des anderen, auch wenn wir sie nicht immer teilen. Dabei spüren wir die bedingungslose Liebe zueinander, ein wunderbares Gefühl.

Gern hätte ich das auch mit meiner Mutter erlebt, denn sie hat sich immer für alle anderen eingesetzt, hat sich um alle gekümmert, ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit. Ihr ganzes Leben lang hat sie anderen gedient, ihre eigenen Bedürfnisse hinten an gestellt. Diese Lebensweise hat sie von ihrer Mutter, die von ihrer Mutter und die wiederum von ihrer Mutter übernommen – Dienen, sich zurückhalten, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse hinten anstellen.

So wurde ich auch erzogen – und doch rebellierte in mir etwas, war der Wunsch da aus diesem Muster auszubrechen, eigenen Wünschen und Bedürfnissen Raum zu geben. Das war nicht einfach, denn mein Vater förderte zwar meine berufliche Entwicklung, aber sein ideales Frauenbild war das einer zwar selbstbewussten, in der Gesellschaft selbstständigen,  aber dem Partner dienenden Frau. Keiner widersprach ihm – außer mir – und das mochte er gar nicht. Aber das hat mich nicht gekümmert, weil ich wusste, dass er es mir nicht nachtrug.

So möchte ich die Kette der dienenden Frau in der Ahnenreihe der Frauen meiner Familie unterbrechen, selbstbewusst und unabhängig meinen Weg gehen und gleichzeitig für die Familie da sein. Das ist schon eine große Herausforderung, denn das Muster des Dienens ist noch stark in mir verankert. Ich freue mich, wenn dann meine Kinder auf mich acht geben, wenn ich zu viel mache. Das ist ein schönes Gefühl.

In diesem Sinne nehme ich in Gedanken meine Mutter mit auf diesen Weg, den Weg der Befreiung vom Dienen und glaube, dass ihr das sehr gefallen hätte. Sie wird immer in meinem Herzen sein und ich gehe diesen Weg auch für sie und all die Frauen aus unserer Ahnen-Familie.

In tiefer Liebe und Dankbarkeit

Evelin

oma-opa

So werde ich meine Eltern immer in Erinnerung behalten, lachend und dem Leben zugewandt.

Ein Jahr danach – Andenken an meinen Vater

16-06-abschied-von-papaJuni 2015 – 4 Monate vor seinem Tod

Heute vor einem Jahr hat mein Vater im Beisein meines Bruders seinen letzten Atemzug getan. Vorher haben wir uns alle noch einmal von ihm verabschiedet, auch wenn er bis zum letzten Atemzug nicht glauben wollte, dass sein Leben zu Ende geht. In den 86 Jahren hat er viel erlebt, den Krieg, die Vertreibung, Gefangenschaft, Wiederaufbau und eine Zeit, wo er all die Früchte seiner Arbeit ernten und genießen konnte. Gemeinsam mit meiner Mutter hat er sich ein schönes Heim geschaffen und es immer weiter modernisiert und verschönert. Im Garten hat er sich vor allem um die Tomaten – und Gurkenzucht gekümmert, was uns als Kindern auch zugute kam.

Er war ein Familienmensch und hatte es immer gern, wenn die Familie da war und immer mehr Kinder die Familie vergrößerten. Er war stolz auf die insgesamt 9 Enkel, 10 Urenkel und unterschied nicht, ob sie mit dem Partner der Kinder in die Familie gekommen sind.

Besonders froh sind wir, dass er auch noch seinen jüngsten Enkelsohn – unser erstes Enkelkind – erleben konnte.

Er war immer bestrebt sich schnell die neue Technik anzueignen, drehte und vertonte Filme von Familienfesten und Urlaubserlebnissen und hatte ein großes Bildarchiv auf seinem PC. Er digitalisierte alte Bilder von Dias und fertigte unzählige Fotobücher.

Auch wenn seine ursprüngliche Heimat Schlesien war, so fühlte er sich dem Erzgebirge – in dem er auch meine Mutter kennenlernte – so sehr verbunden, dass er sie als seine eigentliche Heimat bezeichnete. Diese Heimatliebe pflegte er gemeinsam mit meiner Mutter sehr liebevoll. Vor allem in der Weihnachtszeit war das offensichtlich. Er stellte CDs und Videos zusammen, auf denen er die Heimatlieder zusammenstellte, die ihn am meinsten berührten – die vom Leben der Bergleute berichteten, von der Heimatverbundenheit und der Liebe zum Erzgebirge. Er war selber einige Jahre Bergmann und kannte aus eigener Erfahrung die Sehnsucht nach Licht und Sonne, wenn sie in der zweiten Jahreshälfte im Dunkel in den Schacht einfuhren und erst bei Dunkelheit wieder auffuhren. Er dichtete selbst und verschenkte seine Werke an die Familie, Bekannte und Freunde.

Diese Heimatliebe und das Brauchtum haben auch wir übernommen und an unsere Kinder weitergegeben. Wir pflegen diese Wurzeln und lieben es – vor allem in der Weihnachtszeit – dieses Brauchtum zu pflegen.

Auch in diesem Jahr werden meine Eltern in Gedanken wieder dabei sein, wie sie bei allen Gelegenheiten in Gedanken bei uns sind.

Sie hatten teilweise ein schweres Leben, aber sie haben etwas aus ihrem Leben gemacht – durch Fleiß, Willen und vor allem mit viel Freude und Spaß am Leben. Diese Lebensfreude ist es, woran ich mich am liebsten erinnere, ihr Lachen, ihr mitfühlendes Tun.

Vor einem Jahr hat sich das Leben von meinem Vater vollendet – diesen Beitrag widme ich ihm ganz allein. Er würde sich freuen, wenn er das wüsste.

In Liebe und mitfühlender Erinnerung

Evelin

16-06-abschied-von-papa-und-muttiIm Juni 2015 haben sie noch ihr 10. Urenkel erlebt. Keiner dachte, dass sie ein halbes Jahr später nicht mehr da sind.

Mitteil-BAR: Endgültig

15-17 Mitteil-BAR Endgültig

Inzwischen ist der 12. Monat  angebrochen und es geht dem Ende des Jahres zu. Das gibt uns die Möglichkeit über das vergangene Jahr nachzudenken, zu würdigen, was wir alles erreicht haben, zu akzeptieren, dass wir Manches nicht geschafft haben und zu respektieren, dass unsere Möglichkeiten nicht unbegrenzt sind.

Wir haben Veränderungen erlebt, Gewohnheiten geändert, alte Verhaltensmuster in Frage gestellt und uns auch noch so manches Mal im Kreis gedreht, im eigenen Saft geschmort.

Auch dieses Jahr hat von uns Einiges abverlangt, sind liebe Menschen von uns gegangen, Kinder wurden geboren.

Vier Wochen nach dem Tod meines Vaters starb auch meine Mutter – 66 Jahre haben sie gemeinsam verbracht und nun sind sie wieder im Tode vereint.

Auch wenn mein Vater das letzte Jahr pflegebedürftig war, so waren sie fast ihr ganzes Leben lang beneidenswert gesund und munter, sind bis ins hohe Alter verreist, waren selbstständig und haben ein unabhängiges Leben führen können. Sie sind beide zu Hause und nicht allein gestorben – so wie sie es sich selbst gewünscht hatten.

Dennoch ist es ungewohnt das Haus nun leer vorzufinden und zu spüren, dass ihre Energie immer weniger zu fühlen ist. Auch wenn alles noch so ist, wie zu dem Zeitpunkt, an dem sie verstorben sind – die Lebendigkeit fehlt.

Bald kommt die Zeit, wo alles leer geräumt werden muss, jeder sich noch Etwas zur Erinnerung mitnimmt. Dann heißt es endgültig Abschied nehmen.

So ist das Ende diesen Jahres ein besonderes Ende für mich – das Ende der Zeit mit meinen Eltern – es ist endgültig.

Und das Neue Jahr wird wieder Neues bringen auf das ich mich jetzt schon freue, vor allem auch auf die Zeit mit meinem Enkel.

So liegt Leid und Freude dicht beieinander, gehört zum Lauf des Lebens dazu.

 

Alles Liebe

Evi

Dankbarkeit

Die Zeit des Abschied nehmens ist nun vorbei, die Geschenke und Karten liegen wohlsortiert auf meinem Tisch und auch die Blumen sind noch nicht verwelkt.

Beim Blick auf all das empfinde ich immer wieder tiefe Dankbarkeit – Dankbarkeit, dass ich all diesen Menschen begegnet bin, wir ein Stück des Weges miteinander gegangen sind, gemeinsame Erlebnisse teilen konnten, einander beigestanden haben und uns gegenseitig unterstützt haben. Dafür bin ich in meinem Herzen zutiefst dankbar und werde mich gern an diese Zeit erinnern.

Diese Dankbarkeit löst in mir eine Zufriedenheit mit mir und meinem Leben aus. Klar hätte ich hier und dort einiges anders machen, mich anders entscheiden können, aber wäre ich dann heute in der gleichen Situation? Nein – es hat alles seinen Sinn, auch, dass ich jetzt zu Hause bin und all die Dinge in Angriff nehmen kann, die ich bisher – aus Zeitgründen- nicht mit der Intensität, wie ich sie mir gewünscht habe, machen konnte.

Ich freue mich einfach nur zu sein – ohne Termindruck, ohne Zeitdruck. Dieses Sein möchte ich in vollen Zügen genießen.

Ich möchte mehr Zeit mit dem Fotografieren verbringen, vieles ausprobieren. Fotografieren entspannt mich und lässt mich Dinge im Alltag ent-decken, die ich sonst so nie gesehen hätte. Es offenbart mir eine andere Sicht auf unsere Umwelt.

Auch für das Mandala malen und dabei ent-spannen werde ich wieder mehr Zeit haben.

Gesunde Ernährung liegt mir sehr am Herzen und mein Körper dankt es mir mit Energie und Fitness. Gerade jetzt, wo uns der Herbst so viele Früchte schenkt, ist es eine Freude all das auszuprobieren. Aus dem Buch “Vegan for fun” von Attila Hildmann, was ich zum Abschied von meinen Kolleginnen und Kollegen geschenkt bekommen habe, werde  ich viele Dinge nachkochen. Es ist einfach wunderbar, was man aus Dingen, die in der Natur wachsen alles zaubern kann. Dabei möchte ich auf gute  Lebensmittel zurückgreifen – solche, die im eigenen Garten wachsen oder aus der Region kommen und der Jahreszeit entsprechend angeboten werden. Ich möchte weitgehend auf die industriell hergestellten und verarbeiteten, konservierten Nahrungsmittel verzichten. Es kann nicht gesund sein, wenn Tiere industriell hoch gezüchtet und nur auf Masse getrimmt werden. Der Stress, den die Tiere dabei haben, bleibt im Körper und wird mit dem Verzehr an uns weitergegeben.

Was die Zeit sonst noch so mit sich bringt – ich werde es sehen. Ich freue mich auf all das Neue oder Wiederentdeckte und werde es in meinem Leben willkommen heißen.

Liebe Grüße und vielen Dank an alle, die mein Leben bereichert haben

Evi

 

Abschied und Neubeginn

In unserem Leben durchlaufen wir viele Veränderungen – gewollte und ungewollte – und immer sind sie mit Abschied von Gewohntem verbunden.

Für mich ist der Monat September nicht nur ein Abschied vom Sommer, sondern auch ein Abschied vom Arbeitsleben.

20 Jahre in einer Firma zu sein – das ist heute auch nicht mehr selbstverständlich und so bin ich wirklich sehr dankbar für diese Zeit.

Und ich kann es mir auch gar nicht wirklich vorstellen, dass ich viele von meinen Kolleginnen und Kolleginnen nicht wieder sehe.

Das Abschied nehmen, die Geschenke und die vielen guten Wünsche, die mich begleiten – das  Austauschen von Erinnerungen, Auffrischen von Erlebnissen und das Mitteilen der privaten Kontaktdaten – das alles macht es mir schon bewusst, dass ein neuer Abschnitt in meinem Leben beginnt.

Ein Abschied ist immer auch ein Neubeginn – das ist mein Leitsatz für die kommende Zeit.
Aber ich werde auch mit den Menschen Kontakt halten, die mir ans Herz gewachsen sind.

Das ist ja der Vorteil an der modernen Kommunikation – wir können, wenn wir es wollen auf ganz verschiedene Weise mit anderen Menschen in Verbindung sein – wir müssen es nur tun.

So schaue ich ganz zuversichtlich auf die Zeit, die nun kommt und ich werde auch weiter auf “Lebensfreude und mehr” schreiben, was mich bewegt und interessiert.

Ich möchte allen danken, die mich in diesen Jahren ein Stück meines Weges begleitet haben -und ein Teil zu meiner Ent-wicklung beigetragen haben.

Ich wünsche allen eine gute Zeit, Zufriedenheit und Erfolg im Job und vor allem persönlilch alles Gute.

Herzliche Grüße
Evi

Archiv