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Beziehung zu uns selbst

Meistens betrachten wir andere Menschen, bewunderen deren Fähigkeiten und Stärken und würden gern auch so sein.  Wir  sehen bei uns oft nur unsere Schwachstellen, werden damit konfrontiert, wenn wir Fehler machen. Wenn es gut läuft, wir Erfolg haben, dann weil wir hart gearbeitet haben oder eben Glück hatten.

Viel zu selten schauen wir auf unsere eigenen Fähigkeiten und Talente. Wir nehmen sie oft gar nicht als unsere Stärken wahr.

Wie kommt es, dass wir bei anderen die Stärken sehen und bewundern, nur bei uns selbst nicht?

Einerseits liegt es an unserer Erziehung, damals galt dies als egoistisch und selbstsüchtig. “Eigenlob stinkt” – und wer wollte schon stinken.

Anderseits sind wir mit unseren Talenten groß geworden, sie sind alltäglich für uns, nichts Besonderes – wir haben uns an sie gewöhnt. Wir können sie nur dann sehen, wenn andere uns darauf aufmerksam machen durch Lob oder Anerkennung.

Wir haben unsere Talente hinter einem “Blinden Fleck” deponiert. Wir wissen, dass es sie gibt, aber wir sehen sie nicht und mit der Zeit geraten manche in Vergessenheit, weil sie nicht gebraucht werden.

Andere Talente wurden uns abgewöhnt, weil sie hinderlich waren in einer Welt, die nach gesellschaftlichen Normen eingeteilt ist. “Das gehört sich nicht”, “Das macht ein Mädchen nicht”, “Sei nicht so vorlaut”,  “Das darfst Du nicht”, “Muss das sein” - so wurden wir Kinder von den Erwachsenen oft eingeschränkt, in die Schranken gewiesen, Grenzen gezogen.

Fantasie wurde als Blödsinn abgestempelt, Kreativität als Spinnerei abgetan.  Man war vorlaut - anstelle aktiv und interessiertlangsam anstelle überlegt.

Also passten wir uns an. Wer will schon ständig anecken.

Heute gibt es zahlreiche Workshops, wo die Teilnehmer die Möglichkeit haben ihre Stärken und Fähigheiten zu ent-decken und so lernen sich selbst einzuschätzen. Vermeintliche Schwächen werden näher beleuchtet und wir erkennen dahinter die gute Seite.

Nun brauchen wir nicht unbedingt einen Workshop, um unsere Fähigkeiten und Talente kennenzulernen. Gute Freunde, der Partner, Familienmitglieder sagen uns auch, was sie an uns schätzen und mögen.

Wir können es aber auch allein herausfinden.

“Wie kann man sich selbst kennenlernen? Durch Betrachten niemals, wohl aber durch Handeln.”    (Goethe)

Wie handle ich in bestimmten Situationen? – schnell, entschlossen, mutig oder überlegt und umsichtig – es sind alles gute Fähigkeiten, die uns im Leben weiterhelfen.

Es ist gut zu wissen, WIE wir sind, denn das sind unsere Stärken. WIE verhalte ich mich, WIE handle ich, WIE re-agiere ich – WIE BIN ICH ?

Dabei können wir alles von zwei Seiten betrachten und wir sind es die es bewerten.

Bin ich angeregt und aufgeweckt oder aufgedreht und ruhelos; erregt oder nervösstürmisch oder ungeduldig; fantasievoll oder abgefahrenüberlegt oder langsam; fröhlich oder albern; mutig oder riskant; erstaunt oder einfältig; mitfühlend oder sensibel … .

Nur wir selbst wissen, wie wir uns fühlen, weil wir es in uns fühlen.

Andere betrachten und bewerten unser Verhalten aus ihrer Warte, d. h.  sie vergleichen unser Verhalten mit ihren Gefühlen in dieser Situation.

Da wir aber alle im Laufe unseres Lebens unsere ganz eigenen Erfahrungen gemacht haben, haben wir daraus auch eigene Verhaltensweisen entwickelt, nach denen wir handeln, mit denen wir vertraut sind.

Wir sollten bei unseren Entscheidungen auch auf unser “Bauchgefühl” achten, denn es hat all unsere unbewussten Erfahrungen gesammelt, unser Verstand erinnert sich nur an die bewusst abgespeicherten Erinnerungen. Es ist also gut, wenn wir auf UNS vertrauen und das geht besser, wenn wir uns selbst besser kennenlernen. D. h. wir sollten uns mehr Aufmerksamkeit schenken, auf unsere Körpersignale achten , unserem Bauchgefühl folgen und auf unser Herz hören und so unsere Beziehung zu uns selbst besser wahrnehmen und entsprechend handeln.

Unterdrückte Wut kann auf die Galle schlagen (“Mir läuft die Galle über”); Schulter-und Nackenschmerzen alarmieren Überbelastung (“Ich hab mir was aufgeladen, was aufhalsen lassen”); bei Kopfschmerzen ist eine Pause an frischer Luft gut (“mir platzt der Schädel”, “den Kopf frei machen”). Und so gibt es viele Körpersignale, die im Volksmund ihren Niederschlag gefunden haben.

So manches Zipperlein ist ein sanftes Signal unseres Körpers mal inne zu halten und nachzudenken, ob unser Verhalten, unser Handeln gut für uns sind.

Denn nur, wenn es uns gut geht, können wir auch gut handeln.

In diesem Sinne ist es notwendig, dass wir zu uns selbst eine gute Beziehung haben. Geht sorgsam mit Euch um !

Alles Liebe

Evi

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